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Das Wochenbett

Der schwierigste Teil der Geburt?

In der Schwangerschaft liegt das Hauptaugenmerk auf der Geburt, dieser Tag wird freudig ersehnt, ängstlich erwartet oder auch gefürchtet.

Doch mit der Geburt fängt es erst an. Das Wochenbett ist uns verloren gegangen, es dauert bei uns nur mehr wenige Tage im Krankenhaus. Im besten Falle ist dann der  Vater noch eine Woche zuhause. Die wenigsten haben einen Plan für diese Zeit und so verläuft sie oft anders als erwartet. Wo bleiben die glückliche Mutter, das friedlich schlafende Kind und der stolze Vater? Statt dessen Chaos und Überforderung. Alles ist darauf eingestellt, dass eine Frau nach der Geburt so schnell wie möglich wieder funktioniert und fit ist. Den meisten Druck machen wir jungen Mütter uns dabei selber. Man ist es gewohnt im Beruf seine Leistung zu bringen, den Haushalt zu führen, Sport zu betreiben und Freunde zu treffen und das alles perfekt und nach Plan.

Es fällt uns sehr schwer zu akzeptieren, dass das Leben sich jetzt geändert hat.

Eine Geburt hat einen Energieverbrauch wie ein Marathonlauf und unser Körper muss sich erst davon erholen. Auch die Schwangerschaft hat ihre Spuren hinterlassen. Eine Woche ist dafür zu wenig, denn viele Umstellungen fangen da erst an.

Das unmittelbare Wochenbett dauert 6-8 Wochen, danach laut einem alten Tiroler Sprichwort 9 Monate und laut der TCM ( traditionelle chinesische Medizin )braucht man 2 Jahre um wieder den alten Energielevel erreicht zu haben.

Was passiert in dieser Zeit:

Rückbildung – die Gebärmutter ist nach der Geburt etwa einen Kilo schwer und Kindskopf groß. Sie muss wieder faustgroß werden und auf ca. 120g abspecken. Auch der Bauch mit seinen Innereien und besonders der Beckenboden braucht Zeit und Schonung um wieder alte Stabilität und Spannung herzustellen. Geben sie sich Zeit. Wenn Sie sportlich trainieren wollen, so muss zuerst der Beckenboden halten denn er ist die Basis.

Heilung – in der Gebärmutter ist eine Wundfläche, dort wo die Plazenta angehaftet war. In der ersten Woche nach der Geburt blutet es wie eine starke Regelblutung, in der zweiten Woche wird dies deutlich weniger bis es dann in eine Schmierblutung übergeht und dann immer heller wird. Der Wochenfluss ist nicht infektiös aber ideale Keimgrundlage. Achten sie in dieser Zeit besonders auf Intimhygiene.

Auch der Dammschnitt oder ein -riss müssen erst verheilen.

Milchbildung – in den ersten Stunden und Tagen erhält das Baby wertvolles Kolostrum wenn es an der Brust trinkt. Dann kommt es zum Milcheinschuss. Die Brustdrüsen schwellen an, die Brust vergrößert sich deutlich und Berührung ist oft sehr schmerzhaft. In dieser Zeit neigen viele Frauen zum Bruststau und zur Brustentzündung. Das Immunsystem ist stark herunter gefahren. Die Brust muss erst lernen die richtige Milchmenge zu bilden. Diese Zeit ist sehr belastend für die Frau. Manchmal kommt es noch zusätzlich zu schmerzhaften oder sogar offenen Brustwarzen. Alleine diese Umstellung zu bewältigen bedarf unserer ganzen Kraft. In dieser Zeit ist es die einzige Aufgabe der Frau das Kind zu stillen und sich zu erholen.

Hormonelle Umstellung – nach der Geburt erfolgt eine massive hormonelle Umstellung. Zwischen der vergangenen Schwangerschaft und dem neuen Zyklus liegt hormonelles Chaos, welches uns psychisch sehr instabil macht. Spricht man am ersten Tag nach der Geburt noch vom Baby-Honeymoon so kommt es ca.  am 3 Tag zum Babyblues. Obwohl man sich doch über das gesunde Neugeborene freuen könnte liegt man im Bett und weint, weil man keine Zukunft mehr sieht. Dieser eine Tag ist weiters nicht schlimm, denn am nächsten scheint für die meisten wieder die Sonne. Doch ACHTUNG: 15% der Frauen bleiben in einer Schwangerschaftsdepression hängen. Bei familiärer Vorbelastung ist man vermehrt gefährdet, doch oft trifft es auch völlig überraschend zu.

Diese Frauen finden einfach nicht mehr in die neue Normalität, sie ziehen sich zurück und lachen z.B. nicht mehr wie früher. Auch dem Baby gegenüber sind sie emotionslos. Diese Situation ist für die Partnerschaft sehr belastend und bedarf unbedingt professioneller Hilfe.

Die hormonelle Umstellung zeigt sich auch in starkem nächtlichem Schwitzen und später dann im Haarausfall.

Wenn so viele massive Veränderungen und Herausforderungen

anstehen hat man einfach wirklich Hilfe verdient.

Früher in der Großfamilie war das normal. Eine junge Mutter wurde 10 Tage ins Wochenbett gesteckt und ihre einzige Aufgabe war es das Kind zu stillen. Sie wurde bekocht mit Hühnersuppe und Weinchadeau

die Wäsche wurde gewaschen und auch alle anderen Aufgaben im Haus verteilt. Nur langsam musste sie in den Alltag zurück. Es war auch nie üblich, dass sich eine Frau alleine 24 Stunden um ihr Kind kümmern musste. Es gab immer Helfer am Nest. Die Oma, die Tante das ältere Geschwisterchen …. . Auch diese Helfer am Nest haben wir verloren.

Heute fragen wir uns oft: “Was mache ich falsch? Warum schaffe ich es nicht mit nur einem Kind?“ Es ist einfach nicht zu schaffen. Planen Sie daher das Wochenbett im Detail und machen Sie es sich dabei so einfach wie möglich.

Wer hilft im Haushalt?
Wer kocht?
Wer bügelt?

Nicht für immer – nur in den ersten Wochen!

Lernen sie Hilfe anzunehmen und vergessen sie falschen Stolz. Die Zeit ist zu wichtig und kommt nie wieder. Investieren Sie Ihre Energie in Stillen und in eine gute Eltern-Kind-Bindung.

Geben sie sich Zeit für die Umstellungen im Wochenbett.

Weitere hilfreiche Erfahrungen:

  • Das Tragetuch ist keine Ideologie sondern ein Hilfsmittel das einem viele Dinge erleichtert. Ich sitze mit Baby im Tragetuch  am Computer auf einem Pezzi-Ball und schreibe diesen Beitrag. Auch bei Bauchweh ist es sehr hilfreich und die Spielsachen vom großen Bruder habe ich auch so verräumt da ich meine Hände frei habe.
  • Bei Dämmerungsunruhe (diese Kinder weinen oder schreien abends z.B. von 17:00 Uhr bis 22:00 Uhr) und lassen sich nicht beruhigen, hilft oft „Weißes Rauschen“. Geräusche wie  Küchen- oder Badlüftung, Föhn oder das Wasserrauschen z.B. der Dusche oder dem Waschbecken helfen hier oft. Schläfern Sie die Kinder dabei ein und drehen Sie das Geräusch dann langsam ab.  Wichtig ist das Geräusch voll aufzudrehen und, dass es muss innerhalb von Minuten wirken muss, sonst ist es nicht das Richtige.
  • Baby duschen statt baden! Mit dieser Einführung habe ich es beim ersten Kind geschafft morgens selber geduscht und mit gewaschenen Haaren in den Tag zu starten. Nehmen Sie Ihren Auto-Babysitz und legen Sie ein warmes Handtuch sowie eine Windel hinein. Dann das Baby nackt ausziehen und hineinlegen. Gut zudecken – das Kind muss es angenehm warm haben. Stellen Sie das Baby so ins Bad und schalten sie die Dusche ein. Dieses Geräusch beruhigt das Kleine. Dann ziehen Sie sich selber aus und duschen Sie. Wenn sie keine Mittel mehr brauchen, holen sie sich das Kind aus seinem Nest und duschen Sie mit dem Baby. Sie werden erstaunt sein, wie die Kleinen dies genießen. Den Strahl nicht direkt auf das Köpfchen leiten. Legen sie das Baby zurück in den Autositz und decken Sie es gut zu. Dann machen Sie sich zuerst selbst fertig. Das Geräusch des Föhns beruhigt das Baby wieder. So. Nun können Sie auch das Kleine anziehen.
  • Versuchen sie es einmal mit dem Familienbett. Die Nächte sind viel länger und entspannter wenn man nicht immer aufstehen muss. Mit Liebe und Nähe kann man nicht verwöhnen. In anderen Kulturen fragen die Schwiegereltern ihre Söhne ob die junge Mutter das Enkelkind auch genug verwöhnt? Eine interessante Sicht der Dinge.
  • nutzen sie das Angebot der Eltern Kind Gruppen zum Austausch. Bei uns im babymiogibt es z.B. eine Stillgruppe mit Christine Mayr und viele Spezialvorträge zum Thema Schlafen, Essen, Tragen und Familienbildung. Mehr finden sie unter der Homepage www.babymio.com unter Hebammenpraxis

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